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Wanderbericht 26: Wandern mit Weitblick Dachsteinplateau

Wandern mit Weitblick 2026: Murmeltiere, Gamsherde und kalte Panoramadusche

 

Von 21. bis 23. August 2026 fand die zweite Ausgabe von Wandern mit Weitblick statt, diesmal am Dachsteinplateau. Zu siebt ging es vom Echerntal über das Wiesberghaus und den Eissee bis zur Simonyhütte und schließlich hinunter zur Krippensteinbahn. Drei Tage mit Murmeltieren, einer beeindruckenden Gamsherde und einer erfrischend kalten Panoramadusche.

Tag 1: Aufstieg zum Wiesberghaus (Freitag, 21. August)

Die Woche zuvor hatte die lang anhaltende Hitzewelle des Sommers mit heftigem Regen ihr Ende gefunden, und auch an diesem Wochenende schwebte kurz die Sorge über uns, nass zu werden oder gar absagen zu müssen. Zum Glück meinte es das Wetter halbwegs gut mit uns. Wir zogen den Treffpunkt von 13:00 auf 11:00 Uhr vor und starteten entsprechend früher. Es war schwül, aber nicht zu heiß, und bewölkt.

Für den Abend zeichnete sich bereits ein Italientief ab, das wir in unserer Zeitplanung berücksichtigten.

 

Treffpunkt war der Parkplatz bei der Materialseilbahn fürs Wiesberghaus im Echerntal. Nach einem kurzen Briefing machten wir uns zunächst an die Materialseilbahn, die uns freundlicherweise ins Tal geschickt worden war. Wer wollte, konnte Rucksäcke damit hinauf zum Wiesberghaus transportieren lassen, davor luden wir noch den Müll der Hütte aus. Erst danach ging es los, über den Wanderweg 601, der bis zur Simonyhütte führt.

 

Die Stimmung am Weg war gut, und der Blick hinüber nach Hallstatt und hinunter zum See sorgte für einige große Augen. Vorbei am imposanten Vorderen Hirlatz erreichten wir den ersten Abzweiger beim Waldbachursprung schnell und wanderten weiter Richtung Tiergartenhütte, einer unbewirtschafteten Hütte mit einer Quelle zum Auffüllen der Wasservorräte. Früher sollen hier sogar Skirennen ausgetragen worden sein, heute ist davon nur noch zu erahnen. Am Tiergartenloch, offenbar einer recht großen Höhle, gingen wir vorbei, ohne sie zu erkunden, denn wir wollten die Hütte noch vor dem angekündigten Unwetter erreichen. Weiter ging es über die Herrengasse hinauf aufs Dachsteinplateau.

 

Die Gruppe war hoch motiviert, die knapp 1.300 Höhenmeter und 9 km schafften wir gemeinsam in gut 3,5 Stunden. Oben am 1.808 m hoch gelegenen Wiesberghaus wurden wir von den Bernersennenhunden Theo und Bounty begrüßt, die die halbe Gruppe sofort zum Streicheln verführten. Kurz nach den pelzigen Empfangskomitees erreichten uns auch schon die ersten Böen des Unwetters, was den Gang in die gratis Regenwasser-Panoramadusche noch spannender machte. Je länger man in der Schlange wartete, desto mehr wandelte sich das Urteil von Duschbesucherin zu Duschbesucherin, von "wärmer als erwartet" zu "kälter als erwartet"...

 

Fast vergessen: Schon am Weg zum Wiesberghaus, eigentlich während der ganzen drei Tage, legte die Gruppe immer wieder Stopps für Pilzexperte Micha Schwarzfurtner ein, der fleißig Pilze am Wegesrand dokumentierte und bestimmte, darunter einige seltene Exemplare. Alle gefundenen Arten sind am Ende dieses Berichts mit kurzer Beschreibung aufgelistet.

 

Der Abend klang gemütlich im Wiesberghaus aus, während das Unwetter um 19:00 Uhr mit Nieselregen einsetzte. Am Abendtisch wurde der Tag noch einmal gemeinsam Revue passiert und der Plan für den nächsten Tag besprochen. 

Vorbei am Hirlatz
Am Weg beim Tiergartenloch
Micha am Pilze bestimmen / beriechen (?)
Bounty Begrüßung
Theo mit Futterneid

Tag 2: Eissee, Murmeltiere und die Simony-Hütte (Samstag, 22. August)

Nach einem ausgiebigen Frühstück mit Pancake Special starteten wir um 8:30 Uhr zu unserer großzügigen Rundwanderung. Ein kurzes Morning Briefing zu Wetter und Strecke, dann ging es bei stabilem, teils sogar sonnigem Wetter los. Der Tag sollte weitgehend trocken, aber wechselhaft und bewölkt verlaufen.

Wir wanderten über die Ochsenwiesalm und die Bärengasse, parallel zum "Arschlochwinkl". Ein Funfact am Rande: Die k.u.k. Kartografen sollen von den Einheimischen bei der Namensgebung so mancher Erhebungs- und Flurbezeichnung ordentlich auf den Arm genommen worden sein, genervt von den ständigen Rückfragen, wie denn jeder einzelne Winkel in der Gegend heißt...

 

Beim ersten Abzweiger erhaschten wir den ersten Blick auf den Hohen Dachstein, der sich unter einer dicken Wolkenschicht versteckte und nur immer wieder kurz zum Vorschein kam. Von dort ging es weiter Richtung Taubenkar, wo wir uns ein auf der Karte eingezeichnetes Wegerl suchten, um wieder auf den Wanderweg 657 beim Eisbergsee anzuschließen. Von der einen schwer zu entdeckenden blauen Markierung bis zur nächsten wurde das Taubenkar zum Schauplatz vieler Murmeltiere und einer regelrechten Gamsherde mit bis zu 20 Tieren. Wir schritten vorbei an satten Graslandschaften, die zwischen niedrigen Latschen und Karstgestein von zahlreichen Murmeltierhöhlen gespickt waren.

 

Hinauf ging es zum Unteren Eissee, der vor rund 176 Jahren noch den Gletschermund des Hallstätter Gletschers markierte. Viel Wasser hielt der See angesichts der Temperaturen der letzten Wochen nicht mehr. Generell ist vom einst mächtigen Hallstätter Gletscher kaum mehr etwas übrig, nur noch wenig lebendiges Gletschereis war zu sehen. Laut aktuellen Berichten hat der Gletscher seit Beginn der Messungen 2006 bereits rund ein Drittel seiner Masse verloren, im Sommer 2025 trennte er sich nach etwa 3.500 Jahren durchgehender Verbindung erstmals vom benachbarten Schladminger Gletscher. Fachleute gehen davon aus, dass sich der Rückgang zwar noch verzögern, aber nicht mehr verhindern lässt, und dass der Hallstätter Gletscher in seiner heutigen Form schon um das Jahr 2030 Geschichte sein könnte.

 

Kurz vor der auf 2.203 m gelegenen Simonyhütte drückten immer dickere Wolken vom Schöberl her über uns herein. Sie hatten zwar kaum Wasser geladen, sorgten aber dennoch für etwas Nieselregen kurz vor der Hütte. Nach einem letzten, raschen Aufstieg kamen wir gerade rechtzeitig oben an. Auf der Hütte gönnten wir uns eine wohlverdiente Pause mit Frittatensuppe, Topfenstrudel und Vanillesauce und genossen den grandiosen Ausblick Richtung Totes Gebirge. Es waren sogar der Altausseer See und die Trisselwand (1.754 m) zu sehen.

 

Der Abstieg war uns gnädig, wir blieben trocken. Am Weg zurück zum Wiesberghaus nahmen wir noch einen kleinen Abstecher zum Gipfelkreuz auf der Ochsenwieshöhe (1.990 m) mit, das einen wunderbaren Blick auf beide Hütten sowie den Dachstein bot. Am Wiesberghaus ließen wir den Abend bei einem leckeren Abendessen ausklingen, jeder war geschafft, und vor dem Schlafengehen gab es noch einmal die verdiente "kalte Panoramadusche". Insgesamt bestritten wir an diesem Tag 11 km und rund 760 Höhenmeter in knapp 5 Stunden, inklusive einiger Murmeltier-Watching-Pausen.

Bärengasse
Abzweiger und Blick auf Dachstein
Am Weg zur Simony-Hütte
Murmeltier watching
Gamsherde
Murmeltierwiese Taubenkar
Kurz vor dem Eissee
Eissee
Gruppenfoto
Karstlandschaft
Angekommen in der Hütte
Altes Foto von Simony-Hütte
Dachsteinkapelle beim Wiesberghaus
Am Weg zurück zum Wiesberghaus

Tag 3: Talfahrt, Momos und Krippensteinbahn (Sonntag, 23. August)

Am dritten Morgen küsste uns die Sonne bei stabilem Schönwetter. Wir machten uns auf zum Abstieg Richtung Gjaidalm, der eigentlichen Talfahrt mit der Krippensteinbahn. Dort angekommen, verwandelte sich eine kurze Pause spontan in einen nepalesisch kulinarischen Brunch mit Mango Lassi, Momos und Co. Momos sind kleine, meist mit Fleisch oder Gemüse gefüllte Teigtaschen, in Nepal und im Himalayaraum ein echtes Grundnahrungsmittel, üblicherweise gedämpft und mit einer scharfen Dip Sauce serviert.

Nach etwa 2 Stunden und 5 km mit 260 Höhenmetern erreichten wir die dritte Sektion der Dachstein Krippenstein Seilbahn. Dort stiegen wir in eine retro anmutende, 35 Personen fassende Kabinen-Gondel, Baujahr 1961, aus dem Hause Voest Alpine, die uns zur Bergstation der Krippensteinbahn brachte. Oben mischten wir uns kurz unter die "Sneakertouristen", bevor es mit der Bahn hinunter ins Tal ging. Von dort brachte uns der Bus nach Hallstatt Lahn und schließlich zurück zum Wanderparkplatz. Ein tolles Wochenende!

 

Fazit

Drei Tage mit Murmeltieren, einer stattlichen Gamsherde, seltenen Pilzfunden und der einen oder anderen kalten Panoramadusche: Die zweite Ausgabe von Wandern mit Weitblick hat gehalten (die dritte folgt so gleich! 04.- 06.09), was der Name verspricht (nicht ganz wegen der Wolken^^). Danke an alle sechs Teilnehmer*innen für die tolle gemeinsame Zeit am Dachsteinplateau.

 

Gefundene Pilze

Ein besonderer Dank gilt unserem Pilzexperten Micha Schwarzfurtner, der uns an allen drei Tagen mit seinem Wissen begleitet hat. Hier die gefundenen Arten:

  • Einer der Lärchenröhrlinge (Suillus viscidus agg.): Schmierig glänzender, graubrauner Hut, lebt in Symbiose mit Lärchen und ist unter ihnen recht häufig zu finden.
  • Safrangelber Saftling (Hygrocybe acutoconica agg.), selten und daher ein besonderer Fund: Schlanker, safrangelber bis orangegelber Hut mit spitzem Buckel, gilt als Zeigerart für nährstoffarme, Wiesen.
  • Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica), ebenfalls selten und daher ein besonderer Fund: Die Typusart der Saftlinge, ihr orangeroter, kegeliger Hut schwärzt mit zunehmendem Alter und bei Berührung, ebenfalls ein Zeiger für magere Wiesen.
  • Waldfreundrübling (Gymnopus dryophilus), häufig und nichts Besonderes: Kleiner, ockerfarbener Hut auf dünnem, zähem Stiel, einer der häufigsten Waldpilze überhaupt, wächst gerne büschelig in Laub und Nadelstreu.
  • Körnchenröhrling (Suillus granulatus), guter Speisepilz: Klebriger, gelbbrauner Hut, junge Exemplare tragen an der Röhrenmündung milchige Tröpfchen, die dem Pilz seinen Namen geben, wächst bevorzugt unter Kiefern.
  • Vermutlich ein Lacktrichterling (Laccaria spp.): Kurz vor dem Parkplatz gefunden und nur schwer sicher zu bestimmen, da die Gattung sehr variabel ist. Typisch sind ein schlanker Wuchs sowie ein rötlich bis lilastichiger Farbton.

Naturfreunde Bad Aussee Florian Stiebler florian.stiebler@gmx.at

Ochsenwieshöhe
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Florian Stiebler
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