Wandern mit Weitblick 2026, 4. bis 6. September 2026, Totes Gebirge
Treffpunkt war um 11 Uhr am Bahnhof Bad Aussee. Zu siebt gings dann auch schon zum Ausgangspunkt "Bei Schakerles" und schon bald stiegen wir über den Almbergweg (Weg 235) in Richtung Hochfläche auf. Vorbei am Almbergloch und unterhalb des Backensteins führte uns der Weg hinauf zur Brunnwiesenalm. Das Wetter meinte es an diesem ersten Tag bestens mit uns, und unseren Weg kreuzte einige Kühe auf der Brunnwiesenalm und eine junge Kreuzotter, die sich am Wegrand sonnte.
Nach dem ersten Eintreffen auf der Henaralmhütte ging es mit den Gipfelmotivierten noch auf einen kurzen Abstecher zum Redenden Stein (1.900 m). Danach kehrten wir zum Rest der Gruppe ins Albert-Appel-Haus ein. Den Abend liesen wir dann noch gemütlich in der Henaralmhütte ausklingen.
Um 10 Uhr brachen wir bei eher bewölktem Himmel zum Großen Woising (2.064 m) auf. Der Weg 232 zeigte sich zeitweise leicht regnerisch und wolkenverhangen, dafür begegneten uns mehrere Gämsen. Am Gipfel wurden wir dann doch belohnt: Der Ausblick war äußerst eindrucksvoll, die Wolken zogen direkt an uns vorbei und gaben immer wieder neue Blicke über das Tote Gebirge frei.
Am Rückweg folgte das zweite Reptilien-Highlight der Tour. Wir fanden eine sehr große, komplett schwarze Kreuzotter, auch Höllenotter genannt. Diese dunkle Farbvariante tritt vor allem in kühleren, höher gelegenen Lebensräumen auf, das typische Zickzackmuster fehlt ihr dabei vollständig.
Gegen 15 Uhr waren wir zurück auf der Henaralmhütte und trafen die ersten Vorkehrungen für unser Abendessen. Da im Albert-Appel-Haus an diesem Abend wegen einer geschlossenen Gesellschaft kein Einkehren möglich war, kochten wir kurzerhand selbst: vegane Bolognese für alle sieben. Michas Sammelleidenschaft und seine Pilzkenntnisse zahlten sich dabei gleich doppelt aus, denn die essbaren Funde des Tages waren ein ausgezeichnetes Topping für unser Abendessen. Die Abende auf der Hütte verbrachten wir mit viel Lachen und einigen Partien Würfelpoker.
Am letzten Tag stand der Abstieg Richtung Grundlsee an, wieder vorbei an der Brunnwiesenalm. Micha sammelte auch an diesem Tag wieder fleißig und hat im Nachhinein alle Funde sauber dokumentiert. Die Ausbeute war beachtlich und reichte vom Speisepilz bis zur giftigen Rarität. Die vollständige Liste findet ihr im Anhang.
Der Aufstieg zum Backenstein (1.772 m) wurde hervorragend und ohne Probleme gemeistert. Der Ausblick hat sich wiedermal gelohnt: Weitblick pur bei tollem Wetter. Der anschließende Abstieg war wieder sehr geröllig und für so manche Knie durchaus anspruchsvoll, auch das meisterte die Gruppe bestens.
Zurück beim Auto folgte der nächste Stopp am traumhaften Grundlsee mit einem Sprung ins kühle Nass. Zum Abschluss gab es gemeinsam Pizza, und danach trennten sich bereits unsere Wege.
Drei Tage im Toten Gebirge, zwei davon bei strahlendem Spätsommerwetter und einer eher bewölkt, was der Stimmung aber keinen Abbruch tat. Ob Gipfelblick, Kreuzottern, Gämsen oder veganer Bolognese mit Pilzpfanne: Die Tour hatte einiges zu bieten. Wir haben uns super verstanden und hatten sehr viel Spaß miteinander. Danke an alle fürs Mitgehen, es war eine richtig tolle Tour!
Alle Funde wurden von Ao. Univ.-Prof. Mag. Dr. Irmgard Krisai-Greilhuber, Präsidentin der Österreichischen Mykologischen Gesellschaft, bestimmt.
Bleigrauer Bovist (Bovista nigrescens), essbar Kugeliger Stäubling der Almwiesen, jung innen rein weiß und dann essbar. Im Alter verfärbt er sich dunkelbraun bis schwarz und gibt seine Sporen als Staubwolke ab. (Kein Bild)
Netzstieliger Hexenröhrling (Suillellus luridus), essbar Kräftiger Röhrling mit orangeroten Poren und deutlichem Netz am Stiel. Das Fleisch läuft beim Anschneiden sofort blau an, was oft für einen Giftpilz gehalten wird. Gut durchgegart ist er ein guter Speisepilz, roh dagegen unverträglich. (1)
Igelstäubling (Lycoperdon echinatum), essbar Unverkennbar durch die dichten, stachelartigen Auswüchse auf dem Fruchtkörper. Jung und weiß im Inneren essbar, optisch aber ohnehin das Fotomotiv des Tages. (2)
Gold-Röhrling (Suillus grevillei), essbar Auch Goldgelber Lärchen-Röhrling genannt, mit leuchtend gold- bis orangegelbem, bei Feuchtigkeit stark schleimigem Hut und gelben Poren. Wie sein grauer Verwandter lebt er in enger Partnerschaft mit der Europäischen Lärche. Vor dem Zubereiten zieht man am besten die schleimige Huthaut ab. (3)
Butterpilz (Suillus luteus), essbar Gelb- bis schokoladenbrauner, schleimig glänzender Hut und ein häutiger Ring am Stiel, was unter den Röhrlingen eher selten ist. Anders als seine Verwandten von oben begleitet er nicht die Lärche, sondern Kiefern, und das bis hinauf in alpine Lagen. Er gilt als Speisepilz, die schleimige Huthaut sollte man aber unbedingt abziehen, da sie Verdauungsbeschwerden verursachen kann. (4)
Schwärzender Saftling (Hygrocybe conica), giftig und selten Leuchtend orange bis gelb gefärbter Wiesenpilz, der bei Berührung und im Alter charakteristisch schwarz anläuft. Saftlinge gelten als Zeigerarten für magere, ungedüngte Wiesen und sind daher ein gutes Zeichen für den Zustand der Almflächen. (5)
Lärchenröhrling (Suillus viscidus), essbar Wie der Name sagt, ausschließlich unter Lärchen zu finden, mit schleimig-klebrigem, graubeigem Hut. Passt perfekt zu den Lärchenbeständen entlang des Almbergwegs. (6)
Wurzelnder Schleimrübling (Xerula radicata), essbar Auffällig durch den sehr langen, schlanken Stiel, der tief im Boden wurzelt, und den schleimigen, radial gerunzelten Hut. Wächst an vergrabenem Totholz. (7)
Behangener Düngerling (Panaeolus papilionaceus), giftig Kleiner, grazil gebauter Pilz mit Hutrandbehang und dunklem, gescheckt wirkendem Lamellenbild. Wächst typischerweise auf Weiden im Dung von Rindern. Trotz der Ähnlichkeit gehört er nicht zur Gattung der Kahlköpfe, leicht psylocibin haltig. (8)
Weitere Funde Zusätzlich wurden Arten aus den Gattungen Hebeloma (Fälblinge), Entoloma (Rötlinge) und Cortinarius (Schleierlinge) gesammelt. Diese Gattungen sind artenreich und lassen sich nur anhand mehrerer Exemplare und mit deutlich höherem Bestimmungsaufwand sicher zuordnen, weshalb sie hier nur auf Gattungsebene angeführt sind. (9)