Am Freitagnachmittag trafen wir uns bei der Materialseilbahn des Wiesberghauses in Hallstatt. Dort wurden die dicken Winterschlafsäcke, und weiteres Material für die Nacht im Iglu abgeladen. Anschließend ging’s mit der Krippensteinbahn und Tagesrucksack inkl. LVS-Set drei Sektionen hinauf.
Von der Bergstation aus ging es mit einer kleinen Tour mit Schneeschuhen oder Tourenski weiter Richtung Wiesberghaus. Rund zwei Stunden dauerte die Querung des Dachsteinplateaus über eine Skitourenroute, die bereits teilweise durch einen Skidoo komprimiert wurde.
Die dicken Schneeschichten über den Latschen waren ein echtes Risiko, vor allem mit Schneeschuhen, da man leichter einsank. Wenn man Pech hatte, sogar mit einem Bein bis zur Hüfte.. Einer Schneeschuhwanderin, der wir auf der Hütte begegneten, war am Vortag genau das passiert. Sie musste von einer Fortbildungsgruppe der Alpinpolizei gerettet werden, die zufällig ebenfalls beim Wiesberghaus unterwegs war. Ihre Schneeschuhe hatten sich unter den Latschen verkeilt, sodass sie sich aus eigener Kraft nicht mehr befreien konnte.
Kurz vor unserem Tagesziel, der Hütte, begegneten wir dann auch dem Hüttenwirt, der mit seinem kleinen Bub dem Felix auf dem Skidoo unterwegs war und mit ihm fleißig das Anstarten übte. Nach einer ruhigen und eindrucksvollen Wanderung erreichten wir schließlich das Wiesberghaus (1872 m). Nach dem Abendessen begann der theoretische Teil des Seminars. Unsere Guides, die Bergretter Martin und Hannes, vermittelten uns die Grundlagen des winterlichen Biwakierens.
Wir lernten die Unterschiede zwischen Notbiwak, Schneehöhle, und geplantem (!) Biwakieren im Iglu kennen und beschäftigten uns mit den wichtigsten Voraussetzungen für eine sichere Übernachtung im Schnee. Besonders spannend war die Funktionsweise eines Iglus. Der Schlafbereich liegt höher als der Eingang, sodass kalte Luft im unteren Bereich gesammelt wird. Durch den Aufbau kann im Inneren eine Temperatur von mehreren Grad (ca. +3°C) über null entstehen, was sich dann auch bemerkbar macht, wenns von der Decke tropft... Außerdem erfuhren wir, wie ein Iglu geplant und gebaut wird, vom kreisförmigen Grundriss bis zur schrittweisen Errichtung der Kuppel aus Schneeblöcken.
Am Samstag machten wir uns auf den Weg zu einem am Vortag von Martin und Hannes erkundeten Platz, wo die Schneelage perfekt für unser Vorhaben war. Durch Verwehungen komprimierter Schnee in perfekter Schneemächtigkeit mit Option auf eine Schneehöhle (Plan B) unter dem Niederen Ochsenkogel (2220 m).
Dort begannen wir, eine geeignete Fläche zu ebnen und einen Bereich für die Schneeblöcke vorzubereiten: den "Steinbruch". Die Bedingungen waren ideal, da genügend Schnee vorhanden war und die Hanglage sowie die Nähe zur Iglubaustelle die Materialquelle gut zugänglich machten. Was essenziell ist, wenn man bedenkt, dass so ein Ding schon mal 10-20 kg wiegt und man locker 50 Stück benötigt...
Stundenlang arbeiteten wir im Team. Wir schnitten Schneeblöcke mit Schneesägen (ca. 60 x 45 x 20), setzten sie sorgfältig aneinander und bildeten mit dem zuvor gemessenen fixen Radius (Reepschnur an Skistock), welcher uns auch als kontinuierliches Maß diente, den ersten Kreis. Er war unser ganzer Stolz, den wir dann bedauerlicherweise in angewinkelter (18.0°) Spiralform wieder niederschneiden mussten, um die Grundstruktur für die Kuppel bilden zu können. Danach formten wir Schritt für Schritt und Stein für Stein die Kuppel. Präzise Schnitte waren von großer Bedeutung, damit im Nachgang nicht mehr allzu viel verputzt werden musste. Ein gekonnter Klaps reichte, damit die Blöcke anfrieren konnten...So vergingen die Stunden..
Während sich bei uns die Sonne bereits längst hinter den Ochsenkogel verzogen hatte und wir im Schatten arbeiteten, konnten wir qualvoll beobachten, wie die Gäste des Wiesberghauses auf der Terrasse noch in der Sonne saßen und das ein oder andere Bier genossen. Das sorgte für einige neidische Blicke und kurze Zweifel. Auch der Wirt auf dem Skidoo mit dem Abendessen blieb leider aus. So neigte sich der Tag dem Ende und wir setzten die letzten Steine von der Kuppel. Zwischenzeitlich hatten wir noch kurz Besuch von zwei verirrten Tschechen, die unseren Spuren folgten und kurz vor Dämmerung noch einen Weg zur Hütte im Schnee suchten, nach einer kleinen Einweisung - sie sollen unseren Spuren weiter folgen - sahen wir sie kurze Zeit darauf mit den Stirnlampen noch die Hütte erreichen. Nach Einbruch der Dämmerung, standen schließlich zwei stabile Iglus. Eines für zwei Personen (Sektionsiglu Naturfreunde mit Tisch für die Guides), und eines für drei Personen (Gästeschlafsaal für die Kursteilnehmer*innen).
Nach dem Bau waren wir erschöpft und durchnässt. Deshalb zogen wir unsere komplette Wechselkleidung an und richteten unsere Schlafplätze ein. Mit warmen Winterschlafsäcken und einer guten Unterlage waren wir gut vorbereitet auf die Nacht im Iglu.
Bevor wir schlafen gingen, kochten wir gemeinsam kleine Mahlzeiten mit dem Gaskocher und probierten die ein oder andere Survival-Packerl-Nahrung vom Outdoor-Shop (inkl. Chili con carne, das Bohnenkonzert betraf zum Glück nur das andere Iglu). Nach dem Abendessen genossen wir den traumhaft klaren Sternenhimmel. Die Milchstraße war deutlich sichtbar, und wir konnten beeindruckende Fotos machen.
Die Nacht im Iglu war überraschend angenehm.
Das Schlafsetup funktionierte gut, auch wenn sich durch Kondensfeuchtigkeit die Außenseite der Schlafsäcke leicht benetzte. Das Handy gab aufgrund der Feuchtigkeit kurzfristig den Geist auf, sodass das Zeitgefühl in der Nacht und am Morgen schwand. Ohne Fenster war es schwer einzuschätzen, wie spät es war. Gegen sieben Uhr in der Früh am Sonntag standen wir schließlich auf, packten zusammen und ließen die Iglus auf dem Weg zur Hütte zurück.
Nach dem Frühstück im Wiesberghaus machten wir uns am Sonntag auf den Rückweg. Während die Skitourengeher die Abfahrt ins Tal genießen konnten, ging es für mich mit den Schneeschuhen zurück zur Krippensteinbahn.
Starker Wind führte dazu, dass eine der Gondeln nicht in Betrieb war. Für mich bedeutete das zusätzliche 300 Höhenmeter und eine weitere körperliche Herausforderung. Gleichzeitig war es ein tolles Erfolgserlebnis, nach so einer Nacht im Iglu noch diese Strecke zu bewältigen.
Das Biwakseminar am Dachsteinplateau war ein besonderes Erlebnis. Wir lernten nicht nur, wie ein Iglu gebaut wird, sondern auch, worauf es beim Biwakieren im Winter und bei Notsituationen wirklich ankommt. Neben technischem Wissen nahmen wir vor allem eindrucksvolle Naturerlebnisse, Teamarbeit und viele neue Perspektiven auf das Unterwegssein im Winter mit.
Ein großes Dankeschön an Martin Edlinger und Hannes Sonnleitner sowie die Naturfreunde Akademie. Die Fotos vom Iglubau, vom Gelände und vom Sternenhimmel geben einen kleinen Einblick in dieses außergewöhnliche Wochenende.